Ortschonist Hugo Möhler

Einige Male ist in den Text zur Geschichte der Name Hugo Möhler erwähnt.

Er ist derjenige, der über viele Jahre die Geschichte unseres Ortes aufschrieb, der sich ganz intensiv mit der Entstehung und der Vergangenheit von Schwepnitz und Umgebung auseinandergesetzt hat.

Wir verdanken ihm die einzige erhaltene Chronik. Sie ist heute im Besitz seines Sohnes Dr. Wolfgang Möhler in Waldheim, der uns freundlicherweise von einem Teil der Chronik eine Kopie anfertigte. Dr. Möhler schreibt über seinen Vater, an den sich sicher noch viele Schwepnitzer erinnern:

Hugo Möhler wurde am 14. August 1900 in Neukirchen, Amtshaupt-mannschaft Meißen, geboren.

Seinerzeit war der Ort ein reines Bauerndorf mit einem mehrere hundert Hektar großen Rittergut und vielen Bauernhöfen, die zu beiden Seiten der langen Dorfstraße lagen.

In dieser Umgebung wuchs er mit seinen vier Geschwistern auf. Von seinem Vater, der Schuhmachermeister war, wurde er als Laufbursche zur Kundschaft geschickt, oder er mußte sich auf den Weg nach Siebenlehn machen, um Material für die Werkstatt zu holen. Hin und wieder brachte ihm das ein paar Groschen ein.

Im wesentlichen mußte er sich sein Taschengeld durch Feldarbeit auf dem Rittergut aufbessern. Die letzten vier Schuljahre war er Chorsänger in der Kirche, und der Pastor zog ihn zu Handreichungen hinzu. In der Schule hatte er sich um die Lehrmittelsammlung zu kümmern. Der Umgang mit den Apparaturen weckte sein Interesse für technische Dinge.

Eine Begebenheit aus seiner Kindheit ist bemerkenswert:

„Ich sehe mich an einem Weihnachtsabend vor dem Gabentisch stehen, auf dem ein kleiner Fotoapparat in Kastenform für 6 Platten 6x9 cm mit allem Zubehör zum Entwickeln und Kopieren nebst einer Anleitung zum Fotografieren lag. Ein Cousin meiner Mutter hatte mir das alles geschenkt und damit den Grundstein zu einem Hobby gelegt, das ich noch nach 50 Jahren mit Eifer betreibe."

Von seinem Vater, der als Handwerksbursche viel in der Welt herumgekommen war, hat er seine Naturverbundenheit und die Lust zum Wandern und Reisen ererbt. Seine Mutter, die im Sinne eines gutbürgerlichen Haushaltes erzogen war, prägte seine Charakterzüge: Gewissenhaftigkeit, Fleiß, Ehrlichkeit und Sparsamkeit.

Nach Abschluß seiner Schulzeit trat er 1915 in Meißen die Lehre bei einem Kaufmann an und erlernte dort bis 1918 diesen Beruf von der Pike auf.

Noch im Juni 1918 wurde er zum Militär einberufen. Seine militärische Ausbildung erhielt er in Dresden.

Darüber schreibt er u. a.:

„ Vom 13. bis 18. September 1918 war ich zu einer Nahkampfübung auf dem Truppenübungsplatz Königsbrück; gelegen habe ich im Lager Schmorkau während dieser Zeit. Wie haben wir doch damals auf den Truppenübungsplatz und die ganze Sandgegend geschimpft, und ich schwor mir, nie wieder in diese Gegend zu gehen. Und mich traf bald der Schlag, als ich 1920 aus Schwepnitz ein Stellenangebot erhielt. Schwepnitz ist mir aber dann doch noch zu einer zweiten Heimat geworden."

Am 15. Mai 1920 nahm er seinen Dienst in der Fa. Aug. Leonhardi K. G. auf. Zunächst war er als Fakturist tätig, und 1939 erhielt er Prokura.

Gern erinnerte er sich an die 20er Jahre. Damals war Schwepnitz durch die fehlenden Verkehrsverbindungen von der Welt etwas abgeschnitten, und die Einwohner schlössen sich zur Pflege der Geselligkeit in Vereinen zusammen. Hugo Möhler war stets mit von der Partie, wenn es galt, das kulturelle Leben zu fördern. In dieser Zeit lernte er auch Margarethe Müller kennen, und 1926 heirateten beide.

Während des zweiten Weltkrieges wurde er für einige Zeit zum Landsturm einberufen, und das Kriegsende erlebte er als Volkssturm-Mann.

Die Wirren der Nachkriegsjahre beeinflußten auch seinen Lebensweg. Er arbeitete zunächst als Elektromonteur, bis er im Jahre 1948 wieder in die Fa. Aug. Leonhardi K. G. eintrat. Die wirtschaftliche Lage und die politischen Verhältnisse, die in keiner Weise für einen Privatbetrieb sprachen, brachten auch ihm Verdruß und Schwierigkeiten, so daß er es für angeraten hielt, 1954 in die Bundesrepublik Deutschland überzusiedeln. 1957 kehrte er nach Schwepnitz zurück und war in den Glaswerken Schönborn in Bernsdorf tätig.

Als er sich im Ruhestand befand, beschäftigte er sich gründlich mit der Heimatgeschichte und der Bodendenkmalspflege.

Niedergeschlagen hat sich diese Tätigkeit, die er mit Akribie betrieb, in der „Geschichte von Schwepnitz und Umgebung". Er hatte darüber hinaus ein breitgefächertes Interessengebiet, das sich von philosophischen Fragen über Entwicklungsgeschichte und Technik bis hin zu den Naturwissenschaften erstreckte.

Als Autodidakt mußte er sich sein Wissen hart erarbeiten, denn die Schulbildung, die ihm seinerzeit vermittelt worden war, konnte seine Wißbegier nicht befriedigen. Seine Erkenntnisse und Ansichten hat er in vielen Aufzeichnungen hinterlassen und so bestätigt sich seine Meinung:

„Der Mensch lebt weiter in seinen Werken und im Andenken seiner Angehörigen, Freunde und Bekannten."

Hugo Möhler verstarb am 3. März 1981 nach schwerer Krankheit in Kamenz.

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